Die Weisen sagen es, und viele kennen es:
Das Bild vom See, dessen Stille ein fallender Stein zerstört,
Kreise erzeugend, die sich alle bewegen, fort und fort,
in wundersamer Schönheit.
Manchem ist in der Schau eine Erleuchtung gelungen.
Wer aber spricht von der Welle, der letzten, die ans Ufer schlägt?
Das Schilf erzittert, Blüten fallen, Frösche erschrecken,
Vögel fliegen auf mit schrillendem Schrei!
„Ich habe die Macht“, sagt die Welle.
„Ich bin es, die die Ufer zernagt und die Welt verändert.
Alle müssen mich beachten“, sagt sie stolz. „Die Macht ist bei mir.“
Sie hat die Welle vergessen, die vor ihr war,
und auch alle anderen Wellen, die ihr die Macht gaben.
Und keine der Wellen entsinnt sich des Steins, der den Fall in die Tiefe nicht scheute.
Nur, wer hat ihn geworfen?
Den Stein?

Hans-Joachim Lenz



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